Interview: Birkholz und Mohns – Digitales Start-up in Oranienburg

Birkholz-Mohns


Digital wins
– so kann das Konzept des Start-up-Unternehmens Birkholz & Mohns bezeichnet werden.

Weil es zu den Vorreitern im Bereich der Digitalisierung in Brandenburg gehört, wurde das Unternehmen bereits für Innovations- bzw. Zukunftspreise im Bereich Handwerk nominiert. Seit April 2016 setzen die Zahntechnikermeister André Mohns und Florian Birkholz auf den Datenflow und bearbeiten diesen mit ihrem „besten Team ever“. Eine Meistergründungsprämie und eine Zusatzförderung für die Durchführung der zahntechnischen Ausbildung wurden genutzt, um den kompletten digitalen Workflow im Labor abzubilden. Im Gespräch erläutern sie, wie sie das „Zahntechnikerhandwerk 4.0“ umsetzen und damit ihre Kunden begeistern.


Interview mit den Gründern Florian Birkholz und André Mohns

dentaldigital: Schon in der Laborgründungsphase ist die Handwerkskammer Potsdam auf Sie aufmerksam geworden. Warum?

Florian Birkholz: Von Anfang an gestaltete sich unsere Gründung spannend. Da wir drei Azubis in unser Gründungskonzept eingebunden haben, galten wir als förderungswürdiges Dentallabor. Zusammen mit der Meistergründungsprämie erhielten wir eine Förderung des Landes Brandenburg (Landesbank Brandenburg, europäische Mittel) in Höhe von 12.000 Euro. Das war für uns der erste Schritt in Richtung komplette Digitalisierung des Labors, mit der wir uns hier in Oranienburg ein Alleinstellungsmerkmal aufbauten. Und auch ein wichtiger Meilenstein, der uns mächtig stolz macht. Mittlerweile haben wir einen hochmotivierten Praktikanten in unserem Team, der unser vierter Azubi werden möchte und Lust hat, den für uns schönsten Beruf zu erlernen.

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dentaldigital: Digital wins – das digitale Dentallabor wird von Ihnen gelebt. Welche CAD/CAM-Komponenten kommen in Ihrem Betrieb zum Einsatz?

André Mohns: Anfänglich nutzten wir ein anderes CAD/CAM-System. Damit sind wir jedoch schnell an unsere Grenzen gestoßen und haben uns dann für das Tizian-System von Schütz Dental mit einem Tizian Smart Scan Plus Scanner, einer Maschine Tizian Cut 5.2 Pro Plus mit Blankwechsler sowie der Tizian Creativ RT CAD-Software entschieden. Unser Taktiloskop mit einer 1 Grad-Fräsung realisieren wir mit dem taktilen Scanverfahren mit dem Renishaw-Scanner. Mit dem zebris Vermessungssystem JMAnalyser+ (Exklusivvertrieb über Schütz Dental) führen wir gemeinsam mit dem Zahnarzt Kiefergelenksvermessungen durch, die sowohl für die Herstellung von Schienen als auch für passgenaue Versorgungen die Basis liefern.

Als einziges System auf dem Markt bietet es die Möglichkeit, die aufgezeichneten realen Patientenbewegungsdaten (Real Movement) digital einzubinden und zu verarbeiten. Das macht gerade in der Schienentechnik den Unterschied aus. Die Performance-Schiene bieten wir als Eigenmarke LevelUp, bestehend aus dem besonderen Material Polycarbonat (Schütz Dental) an. Damit ist ein problemloses Fräsen mehrerer Schienen über Nacht möglich. Die 3D-Drucktechnologie hat mit dem Formlab-Drucker ebenfalls Einzug bei uns gehalten. Aktuell drucken wir Modelle, Funktionslöffel und Hilfsmittel wie Bohrschablonen.

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dentaldigital: Das Totale Handwerk – so lautet Ihre selbst entwickelte Marke. Was verbirgt sich dahinter?

Florian Birkholz: Totaler Zahnersatz in Perfektion – vom Erstabdruck bis zur Nachsorge. Für uns ist das die ideale Versorgung von zahnlosen Kiefern. Das Fundament unserer Totalen Prothesen liegt in der Gutowski-Abformmethodik, die sich durch exaktes Randformen und genauer Erfassung der Schleimhaut ohne Druck auszeichnet. Mit dem Zentrikregistrat wird eine optimale Reproduktion der Bisslage erreicht. Unser Hilfsmittel ist die Vermessung mit dem zebris JMAnalyser+ System. Damit werden die Patientenbewegungen des Unterkiefers aufgezeichnet und zukünftig in das Tizian Software Modul „Totalprothetik“ übertragen. Die Ersatzzähne werden individuell auf das jeweilige Bewegungsmuster des Patienten angepasst. Eine erste Einprobe in der Praxis erfolgt mit einer 3D-gedruckten Anprobe.

Besonders freut uns, dass unsere Ideen für die Software von Schütz Dental in das Modul „Totalprothetik“ eingebunden wurden. Das lässt die digitale Durchführung der Arbeitsschritte in unserem Labor zu. Der Prothesenkörper wird aus einem stark PMMA-reduzierten, rosafarbenen Blank ausgefräst. Die Kontraktion des Kunststoffes wird auf diesem Wege ausgeschaltet. Auch die Zähne werden nach der Festlegung der Form und Farbe aus einem abrasionsstabilen Kunststoff gefräst und in die Basis einpolymerisiert. Bisher gewohnte Nacharbeiten entfallen bei diesem Herstellungsverfahren völlig. Nach einer Woche Tragezeit erscheint der Patient zur Überprüfung der dynamischen Okklusion in der Praxis. Bisher immer mit dem Ergebnis einer perfekt passenden Okklusion und einer hohen Saugkraft. Diese wird nicht nur durch eine gut sitzende Basis, sondern auch im großen Maße durch die Statik der Zähne gewährleistet. Auch Druckstellen können oft von den Ersatzzähnen verursacht werden und nicht von der Basis.

Infos zum Kurs: "Das totale Handwerk: Herstellung einer professionellen Totalprothese"


dentaldigital:
Wie kommt dieses Marketingkonzept bei Ihren Kunden an?

André Mohns: Implantatversorgungen nehmen zwar immer noch zu, aber trotzdem macht die Totalprothetik immer noch einen hohen Anteil im zahntechnischen Alltag aus. Die Kunden, die mit uns gemeinsam die digitale Totalprothese nach unserem System geplant und hergestellt haben, sind total begeistert, vor allem vom Prothesenhalt und der schon erwähnten Saugkraft. Teilweise haben die Patienten die Prothese gar nicht rausbekommen, so genau war die Passung. Voraussetzung für dieses Erlebnis ist die sehr enge Kommunikation mit dem Zahnarzt und dem Patienten. Und zwar von der Planung bis zum endgültigen Einsetzen. Schließlich muss der Patient eine hohe Compliance zeigen, zum Beispiel für mehrere Einproben in der Praxis. Das stellt jedoch sicher, dass am Ende alles passt und alle Beteiligten zufrieden sind.

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dentaldigital: Welche Zukunftsaussichten sehen Sie für Ihr Labor in den nächsten fünf Jahren?

Florian Birkholz: Wir gehen weiterhin den digitalen Weg und freuen uns auf innovative Entwicklungsprojekte gemeinsam mit Schütz Dental. Dazu gehört beispielsweise die Weiterverarbeitung der mit zebris analysierten Daten von Patienten im Real Movement-System. Potential sehen wir eindeutig in der 3D-Drucktechnologie. Abhängig von den Materialien und deren Medizinklassen, die entwickelt werden, sind zukünftige Einsatzbereiche und Indikationen offen. Klar, auch der Intraoral-Scanner wird nach und nach seinen Einzug in den Praxen halten und den digitalen Datenflow verbessern. Darauf freuen wir uns ganz besonders, denn wir sind uns ganz sicher: Am Digitalen kommt keiner mehr vorbei. Vieles bleibt händisch, aber die Digitalisierung minimiert Fehlerquellen.

dentaldigital: Es ist spürbar, wie sehr Sie die digitale Zahntechnik begeistert. Was ist für Sie das Schönstes an Ihrem Beruf?

André Mohns: Manchen Patienten stehen die Tränen in den Augen, wenn die neuen Versorgungen eingesetzt werden. Für sie beginnt spürbar ein neuer Lebensabschnitt mit neuer Lebensqualität und das motiviert uns jeden Tag aufs Neue, diesen Menschen dazu zu verhelfen und sie glücklich lächeln zu sehen.

Das Interview führte Claudia Gabbert
Copyright und Erstveröffentlichung in der DENTAL DIGITAL 01/2019, Verlag Neuer Merkur

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