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Interview der Dental Digital mit Jochen Behm über die erfolgreiche Digitalisierung seines Labors

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480 Quadratmeter nutzt ZTM Jochen Behm, um sein Erfolgskonzept auf Basis der digitalen Zahntechnik umzusetzen.

Zahntechnik mit dem kompletten digitalen Workflow bietet Behm Dental aus Heddesheim. ZTM Jochen Behm hat sich mit seinem 30-köpfigen Team ein Ziel gesetzt: Den Zahnärzten mit mehr als zwanzigjähriger Erfahrung, hoher Fachkompetenz und hohem Fachwissen vor allem in der CAD/CAM-Technologie zur Seite zu stehen.Ein Alleinstellungsmerkmal des umtriebigen Laborinhabers sind intensive zahntechnische Informationsgespräche mit Patienten. Wir unterhielten uns mit Jochen Behm über sein Erfolgskonzept, das ihn zur „Marke in der Metropolregion Rhein-Neckar“ gemacht hat.

dentaldigital: Wie sieht Ihr Marketingkonzept aus?
Jochen Behm: Der Patient ist Dreh- und Angelpunkt unseres Wirkens. Unsere Stärke ist die langjährige Erfahrung im direkten Patientenkontakt und damit die individuelle Problemerkennung und -bewältigung. Mir war es schon immer wichtig, im Gespräch vom Patienten direkt zu erfahren, welche Wünsche er an sein Lächeln und seine zahntechnische Versorgung hat. Gemeinsam mit unseren Zahnarztkunden haben wir ein Informationskonzept aufgebaut, bei dem wir komplexe Arbeiten von Anfang an begleiten.

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dentaldigital: Wie sind die Patientengespräche strukturiert?
Jochen Behm: Bei umfassenden zahntechnischen Versorgungen, bei denen häufig Vorarbeiten wie Bisshebungen notwendig sind, beziehen unsere Zahnarztkunden uns von Beginn an mit ein. Behandlungsvorschläge der Zahnärzte sowie Modelle der Patienten liegen uns als Gesprächsgrundlage vor. Das Praxisteam organisiert Gesprächstermine in einem separaten Besprechungszimmer. Zum Termin bereiten wir ein Wax-up sowie zwei Vorschläge für hochwertige Versorgungen inklusive Kostenvoranschläge vor. Anhand von Schaumodellen erkläre ich dem Patienten die Alternativen und zeige ihm, welche Kassen- und Zusatzleistungen auf ihn zukommen.

dentaldigital: Wie viele Gespräche führen Sie pro Woche? Welche Erfolgsquote ergibt sich daraus?
Jochen Behm: Durchschnittlich sind zwei Gespräche pro Woche terminiert, bei denen wir eine 75 bis 80 prozentige Erfolgsquote erreichen. Die Patienten schätzen die Gespräche auf Augenhöhe mit sehr gut nachvollziehbaren Ergebnissen.

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dentaldigital: Das digitale Labor wird von Ihnen gelebt. Welche CAD/CAM-Komponenten nutzen Sie in Ihrem Betrieb?
Jochen Behm: Seit 2005 haben wir Erfahrungen mit der CAD/CAM-Technologie und waren in dem Bereich Vorreiter in der Metropolregion Rhein-Neckar. Kiefergelenksvermessungssysteme kommen seit zehn Jahren bei uns zum Einsatz, das zebris JMAnalyser+ nutzen wir seit 2017. Für dieses System haben wir uns entschieden, weil es als einziges auf dem Markt die Möglichkeit bietet, die aufgezeichneten realen Patientenbewegungsdaten (Real Movement) digital einzubinden und zu verarbeiten. Natürlich sind wir auch in der Lage, digitale Abformungsdaten von Intraoralscannern zu verarbeiten. Zum Einsatz kommt bei uns das Tizian CAD/CAM-System mit dem Tizian Smart Scan Plus, der Tizian Creativ RT CAD-Software, dem Renishaw-Scanner für das taktile Scanverfahren, der Tizian-Maschine Cut 5.2 plus, Tizian-Maschine Cut 5 und Tizian Cut 5 smart plus (Schütz Dental). Aktuell setzen mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter Zahntechnik mit der CAD/CAM-Technologie um. Da wir annähernd 95 Prozent der Arbeiten fräsen, ist meine Fräskapazität erreicht. Ich plane die Anschaffung einer zusätzlichen Fräsanlage für meinen CAD/CAM-Bereich. Die 3D-Drucktechnologie hat mit dem Form- Lab-Drucker ebenfalls Einzug bei uns gehalten, aktuell drucken wir jedoch nur Modelle.

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Mit dem optischen Streifenlichtscanner Tizian Smart Scan Plus wird eine hohe Genauigkeit und Schnelligkeit beim Scannen von Modellsituationen mit großspannigen Implantatarbeiten und Brücken erzielt. Die gescannten Modelle bilden eine perfekte Grundlage für die Konstruktion.

dentaldigital: Wie profitiert der umfassend informierte Patient von Ihrer digitalen Kompetenz?
Jochen Behm: Mit sicherem Zahnersatz, bei dem wir eine nahezu perfekte Passung anstreben. Die Digitalisierung ermöglicht uns, noch vor der Präparation ein Mock-up herzustellen, das der Patient ausprobieren kann. Bei komplexen Restaurationen nehmen wir die 3D-basierte Kiefergelenksvermessung vor – eine kostenpflichtige Serviceleistung, die der Patient gern zahlt, wenn er ein maximales Ergebnis vor sich sieht. Damit liegen uns digitale Daten vor, die wir in die Planung einbinden können. Erst dann fängt die zahnmedizinische Behandlung an. Um Parameter wie Optik, Passung, Bisshöhe, Okklusion sowie Bissbewegung optimal zu erfüllen, geht häufig eine intensive Schienentherapie einher. Im Zwei-Wochen-Rhythmus erhält der Patient die angepassten, gefrästen UK-Schienen, die eingeklebt werden und eine Bisshebung bewirken. Wir nennen sie Semi-Schienen. Wenn die Bissregulierung erfolgreich war, wird die zahntechnische Versorgung Quadrant für Quadrant vorgenommen. Jeder einzelne Schritt wird mit dem Patienten und gegebenenfalls dem Partner bei uns im Labor einzeln besprochen und probiert. Für diese Anpassungen, Zahnfarbnahme und Informationsgespräche haben wir zwei Patientenräume in unserem Erdgeschoss eingerichtet. Zirka 70 Patienten betreuen wir hier pro Woche und sorgen für einen sicheren Patiententransfer von der Praxis zu unserem Labor. Mit diesem Konzept erreichen wir, dass der Patient die Entscheidung trifft, wann die zahntechnische Versorgung definitiv eingesetzt wird – und diese passt, so dass der Zahnarzt nur selten nacharbeiten muss.

dentaldigital: Welche Vorteile ergeben sich bei diesem Konzept durch die Digitalisierung?
Jochen Behm: Ganz wichtig: Die Arbeiten sind schnell reproduzierbar. Die Langzeitprovisorien können gefräst werden und bilden die komplette Arbeit schon im Vorwege nach. Die Schienentherapie lässt sich leicht durchführen, da die Schienen aus PMMA gefräst werden. Der gigantische Aufwand für die Herstellung mit der Press-/Gieß- oder Streutechnik entfällt. Wir generieren mit dem digitalen Workflow eine höhere Genauigkeit bei geringerem Zeitaufwand und erfahren eine immense Arbeitserleichterung.

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dentaldigital: Für diesen Trialog Zahnarzt-Patient-Zahntechniker müssen alle Beteiligten perfekt vorbereitet sein. Wie motivieren Sie Ihre Zahnarztkunden?
Jochen Behm: Der Zahnarzt hat dasselbe Ziel wie wir: einen Patienten, der eine zahntechnische Versorgung erhält, die ihn begeistert und ein hohes Maß an Sicherheit bietet. Genau darum geht es auch in unserem Fortbildungsportfolio, das wir in unserem 100 Quadratmeter großen Fortbildungszentrum anbieten. Ende April 2018 referierte Zahnarzt Dr. Jürgen Reitz vor seinen Kollegen zum Thema Patientenmotivation: Wie hole ich den Patienten aus dem Wartezimmer? Wie informiere ich ihn detailliert und zeige ihm schnell und verständlich die Vorteile eines sicheren Zahnersatzes auf? Dr. Reitz stellte das Konzept der „digitalen Praxis“ mit Intraoralscannen und der digital gestützten zebris-Kiefergelenksvermessung vor. Die Teilnehmer waren begeistert, vor allem auch, als es um die Darstellung prozessoptimierter Vorgänge in der Zahnarztpraxis ging.

dentaldigital: Wo sehen Sie für Ihr Labor momentan die größte technische Entwicklungsdynamik?
Jochen Behm: Tatsächlich in der 3D-Drucktechnologie. Hier kommt es ganz klar auf die zukünftigen Materialien und deren Medizinklasse an. Der Intraoralscanner birgt viel Entwicklungspotential hinsichtlich Schnelligkeit, Benutzerfreundlichkeit
und vor allem in der Preisgestaltung. Ich bin mir sicher, dass wir auf der IDS 2019 dazu einige neue Features erwarten können. Ansonsten stehen wir in der Zahntechnik zunehmend vor der Veränderung vieler weiterer klassisch-konventioneller
Herstellungsverfahren. Zum einen werden weitere Arbeitsschritte von Soft- und Hardwarelösungen übernommen. Hier werden die technischen Entwicklungsschritte am größten sein. Wir setzen die digitale dentale Welt bereits heute um. Aktuell werden bei uns 95 Prozent im CAD/CAM-Verfahren gefertigt. 

Erschienen in der DENTAL DIGITAL 2/2018. Das Interview führte Claudia Gabbert.

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